Naturwerker-Konzept                                   –

Jörg Kerll – August 2019

Wir Menschen waren Millionen von Jahren Teil der Natur, haben – wie andere Lebensformen auch – entnommen und gegeben. Mit der Sesshaftigkeit vor ca. 10000 Jahren begann ein grundlegende Änderung, der Mensch machte sich die Natur untertan. Was sich in der unglaublich kurzen Zeit der letzten 150 Jahre auf der Erde von Menschenhand entwickelte, ist von atemberaubendem technischen Fortschritt und Zentralisierung geprägt– ohne Rücksicht auf Verluste. Wir haben die Nutztierhaltung und Nahrungsmittelproduktion industrialisiert – mit sämtlichen lebensverneinenden zerstörerischen Folgen, die intensive Massenproduktion mit sich bringen.

Viele Menschen, die wahrnehmen, was wir angerichtet haben und immer noch anrichten, fühlen Ohnmacht und sind enttäuscht von Politik und Wirtschaft. Beispiel: Zwar steht der Insektenschutz im Koalitionsvertrag, doch ist der europäische Einfluss der Agrarindustrielobby so immens, dass ohne Druck aus der Bevölkerung nichts Grundlegendes passiert.

Was prinzipiell jeder leisten kann, ist, im eigenen Lebensumfeld bewusst zu agieren;  das reicht von Müllvermeidung, Ausnutzung von Produkt-Lebenszyklen über Flugverzicht bis zum Anlegen eines naturnahen Gartens, um nur einige Beispiele zu nennen.

In diesem Konzept soll es um folgendes gehen:

 

DER NATUR ETWAS ZURÜCKGEBEN.

ENTFALTUNG ARTGERECHTEN LEBENS FÜR PFLANZE, TIER UND MENSCH.

 

Folgende Naturwerker-Prinzipien sollen hierbei berücksichtigt werden:

a) Schaffung natürlicher Lebensräume/Ökosysteme mit entsprechender Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. 

b) Entwicklung bzw. Anbau von unverarbeiteten Nahrungsmitteln jenseits von Land- und Ackerbau.unter der Prämisse Qualität statt Quantität – ohne jeglichen Einsatz von Giften oder unnatürlicher Methoden.

 

Damit dieses Vorhaben mit langfristigem Charakter in die Tat umgesetzt werden kann, ist die Sicherung von Grünland nötig, d. h. Wald- oder Wiesenflächen sind käuflich zu erwerben. Hierbei geht es nicht um ein Besitzen-Wollen, sondern um die Gewährleistung, dass Renaturierungs-Aktivitäten nicht durch veränderbare andere Nutzungen beendet werden können, sondern langfristigen Bestand haben.

 

Zu a)

• Pflanzung von Gehölzen unterschiedlichster Art, um einheimischen Tieren vielfältige Lebensräume anzubieten – von Kleinstlebewesen/Bodenorganismen über Insekten, Vögeln, Reptilien und Säugetieren. Hierbei stehen jahrhundertelang standortheimische Arten im Fokus. Allerdings können wir es uns nicht mehr leisten, an dieser Stelle puristisch zu sein (vor 10 Jahren habe ich das noch anders gesehen). Jenseits invasiver Neophyten sollen auch Gehölze gepflanzt werden, die dem Klimawandel bezüglich vermehrter Sonneneinstrahlung und Trockenheit Rechnung tragen (bsp. Buche: einst eroberte sie Mitteleuropa, inzwischen hat auch sie unter den wetterverändernden Bedingungen zu leiden). Bei Neupflanzungen ist es daher sinnvoller, auch auf Baumarten zu setzen, die zwar ursprünglich hier nicht heimisch waren, doch besser mit dem Wetterwandel zurecht kommen – wie Walnuss, Baumhasel oder Amberbaum.

 

• Schaffung diverser Lebensräume über unterschiedliche Gehölzwuchshöhen von 12 m (Johannisbeere, Heckenkirsche), 2-4 m (Berberitze, Hundsrose), 4-6 m (Haselnuss, Salweide), 6-10 m (Kornelkirsche, Schwarzer Holunder), 10-15 m (Feldahorn, Eberesche), 15-25 m (Hainbuche, Winterlinde), über 25 m (Zitterpappel, Spitzahorn).

 

• Entwicklung offener Wald- und Wiesenlandschaft wie es vor tausenden Jahren in Europa landschaftsprägend war – mit Heckendickichten als vielfältigen Lebensräumen für Tiere und Kraftort für Menschen (lichte, bewaldete Weite mit altem Gehölzbestand).

 

• Auch wenn hier in die Natur eingegriffen wird (kein sich selbst überlassener Urwald), findet keine intensive Nutzung der Ressourcen statt, d. h. einerseits beispielsweise Fällung von Altbäumen (Verkauf oder Brennholz) zwecks Anlegen einer Wildblumen-/Kräuterwiese oder neuer Gehölzpflanzungen, andererseits belassen von Totholz als eigenes Ökosystem (bsp: in einem Totholzstamm leben 1500 Käferarten, die ansonsten keinen Lebensraum hätten).

 

Zu b) Hier geht es nicht um eine berufliche Neuorientierung zum Ökolandbau, vielmehr um eine freizeitlich bis nebenberufliche Tätigkeit im Sinne lebendiger Nachhaltigkeit.

 

Der Grundgedanke: Renaturierung und Entwicklung von Nahrungsketten und Ökosystemen, was Pflanzen und Tiere betrifft. Hinsichtlich des Menschen soll Beachtung finden, dass Grünlandflächen als Alternative zu denaturierter Nahrungsmittelerzeugung dienen können – jenseits der Pole intensiver Landwirtschaft vs. Nationalparks.

 

Folgende Herausforderungen stellen sich bei einer möglichen Garten-/Landwirtschaft mit Tierhaltung, Obstbäumen oder Getreideanbau:

– Der zeitliche Einsatz wäre erheblich (Bewässerung, Tierversorgung, Baumschnitt, Ackerbewirtschaftung)

– Tägliche Wasserversorgung müsste gewährleistet sein. Leitungswasser?!? Ergo:

– Kultivierung von essbaren Bäumen und Sträuchern (siehe Anhang GehölzpflanzKategorien, Fokus Wild-, Nussfrüchte).

 

Hier gilt es, altes Wissen nutzbar zu machen und Neues zu entdecken: Es gibt einige dutzend Gehölze, von denen Früchte, Blüten, Blätter oder Samen essbar sind:

 

– Gehölz-Nahrungsanbau ohne Baumschnitt- und zeitintensiven Pflückaufwand für Mensch und Tier

– Beispiele essbarer Pflanzenteile: 1. Früchte: Walnuss, Hasel, Edel-Kastanie, Herznuss, Berberitze 2. Blüten: Spitz-Ahorn, Robinie, Eberesche, Schwarzer Holunder 3. Blätter: Birke, Rot-Buche, Hasel, Winter-Linde, Trauben-Kirsche 4. Samen: Wald-Kiefer, Spitz-Ahorn

Bäume dienen der Erhaltung von Erde, Wasser, Luft, d. h. sie dienen der Erhaltung der Elemente, die Voraussetzung für die Möglichkeit von Leben auf der Erde sind. Gleichzeitig bieten Bäume unendlich vielen Lebewesen Nahrung und Lebensraum. Bezüglich Klima- und Bodenbedingungen soll hier ein Erfahrungsfeld im Austausch mit weiteren privaten, beruflichen, öffentlichen Natur-Werkern entstehen.

Durch Beobachtungen, welche Gehölze mit den Standortbedingungen und Pflanzengemeinschaften mehr oder weniger gut zurechtkommen, können Erkenntnisse gewonnen werden, welche entsprechend zu nutzen und zu entwickeln sind. Kühlung durch Beschattung ist und wird für den Menschen, die Tiere und Pflanzen immer attraktiver. Durch kreative Anpflanzungen verschiedener Höhen von Gehölzen, kann dafür gesorgt werden, dass Stamm- und Bodenbereiche nicht dauerhaft der Sonne ausgesetzt sind und damit Regenmangel leichter zu ertragen ist. Es gibt funktionierende Beziehungen oder Verwandtschaften, die im Verbund besser gewappnet sind, auch hier gilt: Altes aufgreifen: Eiche, Hainbuche, Feldahorn im Verbund und Neues ausprobieren, wie Sorba 3er Gruppen von je einer Eberesche, Els- und Mehlbeere. Walnusstrupps mit ihren großen Blättern Schatten spendend und in ihren Ausdünstungen abwehrend für Pflanz und Tier. Die Baumhasel als anspruchsloser Nussbaum mit reicher Ernte hitze-, trocken- und winterhart.

 

Und wo kann Mensch ökologisch und ökonomisch besser wirken als woanders? Dort, wo Mensch heimisch ist und wohnt – d. h. im eigenen Umfeld – quasi im Blicke.

 

Es werden interessante Grünflächen angeboten im Weser-Bergland, im Oldenburger und Bremer Umland oder im Sauerland. Auf den ersten Blick noch verlockender sind Waldflächen in Schweden, die unglaublich günstig angeboten werden (0,22 €/qm). Doch ist das der Weg? Einmal ist es zeitraubend und teuer, regelmäßig mit dem PKW zu fahren. Für Naturschutz-Aktivitäten umweltbelastend unterwegs zu sein, wäre bereits vorab die notwendige Frage. Außerdem möchte ich in meiner Heimat etwas für meine Heimat tun: Ich bin Osnabrücker und wohne hier seit 1975. Die Stadt und der Landkreis liegen mir am Herzen und ich möchte hier vor Ort etwas für die Natur und uns tun:

 

Erfahrungsfeld durch vielfältige Anpflanzungen klimaverträglicher Baumarten als Anschauung, welche Baumarten unter welchen Gegebenheiten mehr oder weniger geeignet sind … als Stadtbäume, Allebäume, Feldrandgehölze, Fruchtanbaugehölze …, jeder Interessierte kann mitschauen bzw. für Gehölz-Maßnahmen andernorts nutzen.

 

Die Herausforderung: Grünlandflächen in und um Osnabrück sind rar gesät. Was Gefühl und Verstand anbelangt, ist das Projekt jedoch erst dann nachhaltig und sinnvoll, wenn die Fläche/die Flächen ortsnah sind. 

 

Der Wunsch: Kauf einer Grünlandfläche in Form von Wald und Wiese ab 1 ha Größe aufwärts in annehmbarer Lage zu einem fairen Kurs.

 

Prämisse: Auch wenn es naturgemäß einige Jahre dauert bis gepflanzte Bäume und Sträucher Früchte tragen, gilt von Anfang an der Minimalansatz, dass die laufenden Nebenkosten einer Grünlandfläche aus sich selbst heraus zu erwirtschaften sind.

Die Gehölze sollen selber vermehrt werden – wozu?

• eine fruchtbare Zusammenarbeit bzgl. Wissen und Gehölz-Bezug mit Baumschulen, die naturnah unterwegs sind , ist notwendig, gewünscht und sinnvoll: https://www.gruener-zweig.com/ https://www.klimawandelgehoelze.de/

• bei ausschließlichem Bezug aus Baumschulen wäre das Projekt aus Kostengründen zum Maßhalten gezwungen. Außerdem:

• eigene Erfahrungen machen und mit Herzblut naturwerken sind Teil meiner Motive

• schlichte Einfachheit und Selbermachen kennzeichnen meinen Weg – was Vermehrung anbelangt, so liebt die Natur hingegen kein Maßhalten, sondern:

• verschwenderisch natürliche Vielfalt

• Verzicht auf ökologisch bedenkliche chemische Aufzuchtmittel

• Aufbau von Fachwissen bzgl. „Gehölzvermehrung durch jedermann“ neben staatlichen Aufforstungsprogrammen auf nationaler und internationaler Ebene Stichwort: Raubbau an Wäldern in Ländern der Dritten Welt

 

Je nach Gehölzart praktikable Vermehrungsmethoden:

• Vegetativ: Durch Samen (falls nötig mit Stratifikation: winterliche Einsandung)

• Generativ: Stecklinge, Steckhölzer, Setzruten, Setzstangen, Absenker, Ableger, Anhäufelung, Wurzelschnittlige, Wurzelschößlinge, überschüssiger Jungwuchs

 

Fazit: Natur-Werken neben vielen weiteren Ansätzen (Obstgehölz-Anbau, Bienen-Hummeln-Insektenaktivitäten,  Dach-/Hausbegrünungen und Regenwasserspeicherung in Städten) … geht es bei diesem Natur-Werker-Projekt um Gehölze und aller verbundenen Lebensformen/räumen.

 

Ökosoziale Transformation heißt das neue Fremdwort, welches anzeigt, worum es zu gehen hat, wenn das Leben überleben soll. Im Großen wie im Kleinen haben wir zu schauen, zu überlegen, zu versuchen, neue Erfahrungen zu machen und vor allem … zu HANDELN!

Vielleicht ist es bereits zu spät und wir bekommen den Karren nicht mehr aus dem Dreck.

Doch selbst dann:

„Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein winterhartes Feigenbäumchen pflanzen.“

 

Plan und Bitte: Ich suche den Kontakt zu Entscheidungsträgern der Stadt und des Landkreises mit dem Ziel, ein öffentliches Grundstück zu erwerben. Daneben kann es durchaus sein, dass jemand Grünland (geerbt), jedoch keine Verwendung dafür hat und statt Verpachtung verkaufen möchte –  ggf. motiviert durch den Anwendungszweck des Natur-Werkens. Für eine Kontaktvermittlung wäre ich sehr dankbar.

 

Also gerne weitererzählen … vielen DANK!

Jörg Kerll

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